Lieblingsbücher des Sommers

– Kolumne von Robert Eberhardt –

Was lesen unsere Besucher in dieser Saison am liebsten und was wir als Buchhändler? In den beiden Filialen von FELIX JUD (Hamburg und Keitum) arbeiten insgesamt 9 Personen: gemeinsam also ein großes Lektürereservoir von 18 lesenden Augen.

Viele Fragen im Cottage nach einem Sylt-Buch. »Ozelot und Friesennerz« von Susanne Matthiessen (sie wird am 8. Juli bei uns zu Gast sein) oder Fritz J. Raddatz’ Text »Mein Sylt« gehen natürlich immer, auch wenn man sich mitunter wundert, dass es Menschen gibt, die diese Bestseller noch nicht gelesen haben. In dieser Saison ist unser Sylt-Lieblingsbuch aber »Der Sommer der Inseltöchter« von Micaela Jary. Das beste der unterhaltenden Sylt-Bücher, wie ich zu sagen pflege. Also von jenen Paperbacks, die wegen der Gestaltung des Umschlags erst einmal unter Kitsch-Verdacht stehen. In diesem Fall ist der Text profund, liest sich gut weg, man lernt einiges über die Geschichte der Insel im 19. Jahrhundert, vor allem über Merret Lassen, die kinderreiche »Urmutter« vieler Sylter.
Wunderbar zu Sylt passen Romane, die an Küsten und in rauer Natur spielen: »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« von Lisa Ridzén ist ein bewegender Roman über das hohe Alter, »Im Lichte der Lofoten« von Sophie van der Linden die poetische Schilderung einer Landschaftsmalerin auf der Suche nach dem perfekten Bild und in »Vatertage« widmet sich die Erfolgsautorin Anne Berest ihrer aus der Bretagne stammenden väterlichen Familie.
Apropos Frankreich: Den 18. Fall von Kommissar Bruno, »Bredouille«, von Martin Walker kann man in Stapeln hinlegen. Ebenso beliebt: die ruhige Betrachtung der Nachbarschaft in Robert Seethalers neuen Roman »Die Straße« oder die Geschichte einer jungen Schifferin in »Der Gesang der See« von Trude Teige.
Und welchen Titeln können sich Sachbuch-Leser zuwenden? Ich finde »Friedlos« des Historikers Eckart Conze vortrefflich: eine Mentalitätsgeschichte der Deutschen hinsichtlich ihres Kriegs- und Friedenswillens seit 1648. Und »Ein Sommer mit Goethe«, in dem Gustav Seibt in 50 Kapiteln Werk und Leben Goethes nahe bringt und damit selbst Klassik-Freaks überrascht.
Sehr gespannt bin ich auf die beiden Bücher, die ich diese Woche lesen werde: »Arendal«, das fünfte Buch aus der Morgenstern-Romanreihe Knausgårds und »Yacht oder nicht Yacht. Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen« des amerikanischen Autors Evan Osnos. Ich denke, das kann nicht schaden auf Sylt, der Insel, auf der manche reich sind, aber nur wenige ultrareich, aber selbst solche waren schon in unser Cottage gestolpert. Aber das ist eine andere Geschichte. Bis bald in Keitum.
Robert Eberhardt