Heinz Wieda: Ein Insel-Original geht in den Ruhestand

Jürgen Gosch und Sven Paulsen dankten dem Ehepaar Wieda für viele Jahre vertrauensvoller Zusammenarbeit.

Ruhestand hat in diesen Breitengraden selten etwas mit Stillstand zu tun. Gerade auf einer Insel wie Sylt ist er eher ein Übergang in eine andere Taktung des Lebens – weniger Termine, mehr Zeitfenster, aber selten weniger Inhalt. Wenn jemand wie Deutschlands nördlichster Immobilienmakler nach Jahrzehnten aus dem aktiven Berufsleben tritt, dann endet nicht einfach eine Karriere. Es schließt sich ein Kapitel, das eine ganze Umgebung mitgeprägt hat. Zum 30. Juni hat sich für Heinz Wieda genau dieser Übergang vollzogen: Nach 42 Jahren als Immobilienmakler und 22 Jahren als Hallenmeister der »Alten Tonnenhalle« beginnt nun das, was er selbst augenzwinkernd als »kontrollierte Freizeitgestaltung auf Sylt und Ibiza« beschreibt. 

Sein Weg auf die Insel beginnt weit weg von allem, was später Alltag wurde. Im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, BVB-Fan, mit 18 als Matrose zur Bundesmarine, danach BWL-Studium in Düsseldorf, dann als junger Leutnant auf Sylt gestrandet und am Ende hier in Pension gegangen. Aus dem Kapitänleutnant wurde ein Insulaner, aus dem Offizier ein Immobilienmakler. Seit fast 50 Jahren lebt er mit seiner Frau Dagmar auf der Insel, und auch ihre eigene Geschichte gehört dazu: 15 Jahre lang führte sie den »über 200 Jahre alten Gasthof in List«. 

Die »Alte Tonnenhalle« ist ein prägender Teil dieser Biografie, an dem sich ein großer Abschnitt seines beruflichen Weges festmacht. Als Heinz Wieda vor 22 Jahren die Hallenmeistertätigkeit übernahm, war das Gebäude noch ein Rohbau. In seiner Abschiedsrede beschreibt er den Moment, in dem für ihn alles begann: Gemeinsam mit Jürgen Gosch ging er damals durch das halbfertige Gebäude in den Bereich, der später sein Büro werden sollte. »Oben gab es noch kein richtiges Fenster, nur diese große Bauöffnung. Die ursprüngliche Planung sah vor, die Heizung in diesem Bereich unterzubringen. Ich habe vorgeschlagen, sie stattdessen auf das Dach zu verlegen – und in diesem Moment kam von Jürgen Gosch der Gedanke – hier könnte dein Büro entstehen.«  Dann kam die formale Grundlage dazu, wie er sich erinnert: »Und da hat Sven Paulsen gesagt: Hier sind die Schlüssel.« Für Heinz Wieda war es genau dieser Moment, in dem die Entscheidung fiel, diesen Platz tatsächlich für sich zu nutzen. Aus der Begehung im Rohbau und dem Gespräch über Möglichkeiten und Nutzung entstand der erste Schritt in seine Arbeit in der Tonnenhalle, die zu seinem »Baby« wurde. 

Wie eng dieser Ort mit seiner Person verbunden ist, wurde bei der Abschiedsfeier in der GOSCH Canapé-Bar deutlich, organisiert von Sven Paulsen und Jürgen Gosch. Eingeladen waren alle Gewerbetreibenden der »Alten Tonnenhalle«. »Heute ist ein besonderer Tag«, begann Sven Paulsen den Abend und wandte sich dabei an Heinz Wieda. Er bezeichnete ihn als »Urgestein der Alten Tonnenhalle«, das seit der Eröffnung 2004 dabei ist. Auch die lange gemeinsame Zeit und die gewachsene Struktur des Standorts nahm er ausdrücklich in den Blick.

»Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir damals angefangen haben. Zunächst gab es einzelne Geschäfte und Kinderkarussells, die aber nicht so richtig laufen wollten. Durch die Vermietung und vor allem durch die Entwicklung der Stände ist ein tragfähiges Konzept entstanden. Auch prägende Betriebe sind seit 22 Jahren dabei – darunter der Fischmarkt von Jürgen Gosch, Elatus Buch & Medien und das Sylter Kreuzfahrten Kontor.« 

Mit Blick auf die Gegenwart sprach er über das Ende der Ära von Heinz Wieda und verband dies mit einem ausdrücklichen Dank für die langjährige Zusammenarbeit und die gemeinsame Entwicklung der »Alten Tonnenhalle«. Gleichzeitig richtete er den Blick auf die Zukunft: Mit Michael Beyer wurde ein Nachfolger gefunden, der die Verwaltung künftig übernimmt. Der Immobilienmakler arbeitet zunächst noch aus seinem bisherigen Büro auf der Insel, später zieht er direkt in das ehemalige Büro von Heinz Wieda ein. Wichtig bleibt für Paulsen vor allem eines: »Jemand muss vor Ort sein, ansprechbar, mitten im Betrieb – weil das Gebäude von vielen selbstständigen Gewerbetreibenden lebt und genau diesen direkten Ansprechpartner braucht.«

Zum Abschied fand Heinz Wieda selbst noch einmal Worte für die gemeinsame Zeit: »Man muss irgendwann mal anfangen, aufzuhören! Ich danke euch für 22 Jahre, in denen wir uns gemeinsam weiterentwickelt haben. In dieser Zeit hat es hier nie einen Leerstand gegeben. Dafür gilt mein herzlicher Dank an alle, die hier stehen. Wir sind über all die Jahre sehr loyal miteinander umgegangen. Ich werde ab und zu noch einmal vorbeikommen – nicht, um zu sehen, ob gearbeitet wird, sondern um Hallo zu sagen.«