Lesung im Kontorhaus Keitum am 29. April
Anlässlich der Neuauflage des Romans, von dem Dora Heldt sagt, »Die ganz andere Seite von Sylt, einer Insel, von der viele glauben, sie zu kennen«, liest Silke von Bremen am Mittwoch, den 29. April, um 18 Uhr, im Kontorhaus aus ihrem Debütroman. Moderiert wird die Lesung von Gesa Silberbauer.
Silke von Bremen präsentiert eine Lesung über Heimat, Schweigen und Aufarbeitung. (Foto: Hans Jessel)
»Stumme Zeit« steht in der Linie der »neuen Heimatliteratur«, die kritisch fragt: Wem gehört Erinnerung – und wer darf erzählen? Heimat ist mehr als nur Idylle, die Autorin nutzt diesen Begriff nicht nostalgisch, hier wird mit analytischer Kompetenz erzählt. Heimat erscheint als ein widersprüchlicher Ort – auf der einen Seite die Schönheit der Landschaft, das vertraute Dorf, in dem aber die Enge der sozialen Strukturen, das kollektive Gedächtnis der Dorfgemeinschaft machtvoll wirkt. Und ganz »nebenbei« handelt der Roman auch von einer Inselgemeinschaft, die in den 1970er-Jahren davon gezeichnet ist, zwischen Tourismusboom und unaufgearbeiteter NS-Vergangenheit lavieren zu müssen. Das Schweigen über das, was geschehen ist, ist ein zentrales Thema, das kraftvoll und emotional erzählt wird. Die Verdrängung von Familiengeheimnissen, von denen der Leser durch die Protagonisten Helma und Rudi erfährt, zieht sich als roter Faden durch den Roman. Es gibt Momente, die fast wie eine Kriminalgeschichte wirken, wenn lange verschwiegene Geheimnisse aufgedeckt werden.
»Stumme Zeit« ist ein geglücktes Debüt, das besonders dadurch überzeugt, wie es persönlichen Familiengeschichten und regionaler Geschichte Bedeutung verleiht. Man merkt jeder Zeile an, hier weiß jemand, wovon er schreibt. Wer sich für Heimatromane mit historischem Einschlag, Familiengeheimnissen und verdrängter Vergangenheit, das Leben an der Küste mit seinen touristischen Veränderungen interessiert, für den ist dieser Roman mit seinen literarisch stimmungsvollen Beschreibungen eine ideale Lektüre.


