Tjen di Biiki ön!

Gelebte Tradition und starkes Gemeinschaftsgefühl: Im Jahr 2014 wurde das Biikebrennen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. (Fotos: Sylt Marketing/Peter Bender)

Magie der Biike am 21. Februar bei einem
der neun Inselfeuer spüren

Gerade dann, wenn die kalte Jahreszeit Sylt noch fest im Griff hält, geht es auf Deutschlands nördlichster Insel heiß her. Immer am 21. Februar findet eines der stimmungsvollsten Ereignisse überhaupt statt: die Biike. Wer schon einmal dabei war, weiß, wie besonders dieses Fest ist – ein uralter Brauch, der die Menschen zusammenbringt. Sylter aus aller Welt kommen zurück auf die Insel, und auch viele Gäste lassen sich von der Atmosphäre mitreißen. Für alle, die in diesem Jahr nicht vor Ort dabei sein können, bietet R.SH erneut einen Livestream von der Tinnumer Biike. 

Fackeln, Grünkohl und Petritanz: Tipps für ein unvergessliches Winterfest an der Nordsee

Alljährlich am 21. Februar brennen auf Sylt die Biikefeuer. Das Biikebrennen ist ein traditionsreiches Fest, das an der nordfriesischen Küste und auf den Inseln und Halligen gefeiert wird. Auch wenn heute keine Seefahrer mehr verabschiedet oder böse Geister vertrieben werden, ist dieser alte Brauch fest verankert und hat nichts von seiner Bedeutung verloren. Das häufig als »Nationalfeiertag der Friesen« bezeichnete Biikebrennen steht für Zusammenhalt, geselliges Miteinander und Heimatverbundenheit. Dabei werden oft traditionelle Lieder gesungen und Geschichten erzählt, die seit Generationen weitergegeben werden. 

Ein Fest, das nicht nur Sylter aus aller Welt zurück auf die Insel führt, sondern auch viele Gäste begeistert. Für alle, denen die Abläufe des Biikebrennens noch nicht so vertraut sind, hier die zehn wichtigsten Tipps.

Mit der Geschichte vertraut machen

Das Wort »Biike« stammt aus dem Friesischen und bedeutet »Feuerzeichen«. Der Ursprung des Biikebrennens liegt weit zurück in vorchristlicher Zeit und ist vermutlich in heidnischen Bräuchen verwurzelt. Ursprünglich dienten die Biiken als germanische Frühlingsfeuer zur Vertreibung des Winters und böser Geister.

Laufen statt fahren

Gar nicht erst versuchen, mit dem Auto zur Biike zu fahren. Erstens gibt es in der Nähe der Biikeplätze kaum Parkplätze, zweitens sind die meisten Zufahrten gesperrt und drittens ist es viel schöner, sich dem jeweiligen Fackelumzug anzuschließen. Die Fackel am besten in der windabgewandten Hand halten, dann hält sie länger.

Der beste Standort

Am Biikeplatz angekommen, die Windrichtung prüfen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, stellt sich dorthin, wo es voll ist. Es hat einen guten Grund, warum die Menschen dort und nicht auf der anderen Seite stehen. Spätestens wenn die Biike brennt und qualmt, wird klar, aus welcher Richtung der Wind weht.

Getränke zum Aufwärmen

An den meisten Biikeplätzen gibt es warme Getränke. Viele lassen es sich aber trotzdem nicht nehmen, selbst eine gut gefüllte Thermoskanne mitzunehmen. Wer mehr Becher mitnimmt, als er selbst braucht, wird schnell Freundschaften schließen. Könnte von Vorteil sein, falls man noch ohne Grünkohl-Plan dastehen sollte. 

Auf Empfang schalten

Natürlich wird die Biike nicht einfach nur angezündet: Zuvor werden Reden zu aktuellen Inselthemen gehalten – auf Deutsch und auf Sölring. Auch wenn es ein geselliges Fest ist und man vielleicht dem Sölring nicht folgen kann, gilt: kurz auf Empfang schalten und beiden Ansprachen aufmerksam zuhören.

Feuer frei

Die letzte Rede endet immer mit den Worten »Tjen di Biiki ön« (»Entzündet die Biike«). Dann erst darf die Fackel in den Biikehaufen geworfen werden. Nun heißt es abwarten und warmen Punsch trinken, bis die oben auf dem Haufen thronende Tonne, das Fass oder die Strohpuppe, der Pidder, fällt. Erst dann ist es offiziell: Tschüss Winter, Hallo Frühling!

Gemeinsam singen

Während die Biike brennt, wird das Lied »Üüs Sölring Lön« (»Unser Sylter Land«) angestimmt. Die »friesische Hymne« möchte am liebsten lautstark und aus voller Kehle mitgesungen werden. 

Wer noch nicht ganz so textsicher ist, findet online unter www.sylt.de/biike den Liedtext und die Melodie zum Üben.

Warme Kleidung

Es ist Februar und das heißt: Es ist kalt, höchstwahrscheinlich nass, von oben und unten. Für den geselligen Abend am Biikefeuer empfiehlt sich daher warme Kleidung sowie Handschuhe, Mütze, Schal, dicke Socken, robuste Schuhe und eine Jacke, die notfalls Wachs- oder Brandflecken verträgt und anschließend ein paar Tage auslüften darf.

Grünkohl »mit alles«

Wenn die Biiken langsam verglimmen, kommt man zum gemeinsamen Grünkohlessen zusammen: Kaum eine heimische Küche, kaum ein Restaurant, das an diesem Abend nicht das traditionelle Gericht auftischt: Grünkohl mit karamellisierten Kartoffeln, dazu Fleischbeilagen wie Speck, Kassler und Kochwurst. Wichtig: Unbedingt vorher reservieren!

Der Tag danach

Einst ein wichtiger Gerichtstag, ist der Petritag am 22. Februar heute ein besonderer Festtag für Kinder und Jugendliche. Während der Nachwuchs beim Petritanz feiert, vertreibt ein Spaziergang die letzten Spuren des Vortags und lüftet Kopf und Kleidung ordentlich durch.