Wenn Malerei Menschen und Natur verbindet
Die Bilder von Sabina Bockemühl drängen sich nicht auf, sie behaupten sich. Wer ihnen begegnet, steht nicht vor gefälliger Malerei, sondern vor Verdichtungen von Erfahrung. Ausgebildet unter anderem bei Markus Lüpertz und dem Designer Dieter Sieger, gründete sie 1990 ihr erstes Atelier. Die Künstlerin bewegt sich seit Jahrzehnten entschieden zwischen Porträt und freier Geste. Ihre großformatigen Leinwände fordern Raum und geben ihm zugleich eine neue Spannung. Gesichter im klassischen Sinn interessieren sie wenig. Was entsteht, sind Haltungen: offene, tastende, widerständige Figuren. Es sind Menschen im Übergang, zwischen Selbstbehauptung und Verletzlichkeit. Acryl trifft auf Kohle, Spachtelmasse auf Collage, Schichten werden wieder aufgerissen, übermalt, gebrochen, nichts bleibt rein dekorativ. Die Leinwand wird zum Ort der Auseinandersetzung – mit dem Motiv, mit der Farbe, mit der eigenen Position in der Welt.
Künstlerin Sabina Bockemühl
In ihrer jüngsten Werkreihe rückt die fragile Balance zwischen Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt. Bockemühl sucht jene Kippmomente, in denen Schöpfungskraft und Vergänglichkeit einander berühren. Ihre Figuren stehen nicht außerhalb der Landschaft, sondern sind in sie verwoben. Urbane Strukturen treffen auf organische Formen, Silhouetten scheinen im Wind zu flirren, Blicke tragen Zeit in sich. Schönheit versteht sie nicht als Oberfläche, sondern als Haltung – als bewusste, beinahe tastende Annäherung an das Lebendige im Wissen um dessen Endlichkeit.
In der Galerie JULE PLATE FINE ART in der Hafenstraße 4 in List entfalten diese Arbeiten eine besondere Präsenz. Zwischen Hafen, Wind und Weite wirken sie wie Resonanzflächen für das, was Bockemühls Werk seit Jahren prägt: die Feier des Lebens in all seiner Widersprüchlichkeit.


