IN HAMBURG SAGT MAN TSCHÜSS
»Was für ein Jahr«, werden viele mit einem leisen Stöhnen sagen. Konnte das alles in zwölf Monate passen, was wir an Veränderungen erleben mussten? Manche von uns haben Verluste erlitten, wichtigen Menschen und Wegefährten an ihrer Seite verloren. Ich denke dabei an einen Satz von Pastorin Susanne Zingel aus einer Trauerrede, dass nicht alles einen Sinn ergeben muss. Die Aymara, jenes alte indigene Volk am Titicacasee, das ich vor kurzem besuchen durfte, sagen »Mayakama«, und meinen damit »bis zum nächsten Mal«. Es gibt für sie keinen Abschied, alles bleibt miteinander verbunden. Eine tröstliche Vorstellung.
»Ebbe und Flut warten auf niemanden«, lautet ein friesisches Sprichwort, es war Motto einer meiner Kollektionen. Wohin zieht es mich? Ich kann doch nicht permanent davon prahlen, dass ich noch Großes vorhabe und dann spaziere ich weiter am Strand entlang, höre den Möwen zu, beobachte die Wellen, wie keine der anderen gleicht, und fühle doch den Stillstand. Ihr habt mich lange gehalten auf der Insel, und ich habe es ausgekostet bis zur letzten Minute. All die schönen Events, würde ich sie aufzählen, wäre schnell mein Wörter-Kontingent für diese Kolumne aufgebraucht. Nun ist damit vorerst Schluss. In Hamburg sagt man »Tschüss«, dort wird mein Mittelpunkt sein, mit der Roma e Toska Boutique in der Poolstrasse 30, gleich bei der Laeiszhalle, und der zukünftigen Galerie samt Kabinett für junge Kunst am Johannes-Brahms-Platz Nr. 9. Beinahe jeden Dienstag gibt es weiterhin meinen Salon mit interessanten Talkgästen und natürlich nächste Kollektionen, an denen ich gerade intensiv arbeite: Encyclopedia mit Motiven aus Meyer’s Konversationslexikon von 1895. Es beginnt mit den Äpfeln, Pilzen und der Artic Fauna, an die sich alte und neue Geschichten knüpfen, die mich die Welt aus einem anderen Winkel befragen lassen. Eine überraschende Heiterkeit steckt in diesen Stoffen, die für das Frühjahr den »Tropenwald« und »Kolibri« hinzunehmen, kombiniert mit indigener Webkunst, Stickerei und bemalten Stoffen aus der Region des Ucayalli-Flusses in Peru. Für mich klingt es abenteuerlich und voller Energie, mit entfesselter Kreativität, was mir lange gefehlt hat. Mit diesem Tatendrang und dieser Zuversicht freue ich mich auf ein 2026, in das ich Euch gern mitnehme. »Jikiñsinkama«, sagen die Aymara, »see you«!
Und vergesst nicht, Sylt ist eine Seefahrer Insel. »Das Schiff liegt sicher im Hafen, aber nicht dafür wurde es gebaut.« Euch ein gutes, erfülltes, gesundes Happy New Year!
Birgit Gräfin Tyszkiewicz


