»Post von Pidder«: Kleiner Jahresrückblick

Von Eseln und Kellern
Meine Großmutter (im Geiste Friesin in 69. Generation, geborene »sen«, verheiratete »sensen«) sagte gerne: »Geht es dem Esel zu gut, geht er aufs Eis«. Wenn man sich ansieht, mit welcher Zielsicherheit das politische Kollektiv die Insel auf dünnes Eis führt in Sachen Baurecht, dann passt der Sinnspruch ganz gut. Die Haushalte der Kommunen sind bereits auf Spannung. Jedes Kind weiß, dass Sylt vom Tourismus lebt. Man muss nur eins und eins zusammenzählen, um zu erkennen, dass die Insel sich gar nicht leisten kann, Gästebetten zu verlieren, und dennoch hühnert die Politik in endlosen Arbeitskreisen und fabuliert, ob 30% oder 50% weniger Ferienwohnungen akzeptabel wäre. Meine Großmutter sagte auch: »Wer nicht hören will, muss fühlen.«

Stellungswechsel
Der Gemeindeverbund Sylt hat ein neues Oberhaupt bekommen. Vielmehr eine Bürgermeisterin, die sehr begrüßt und unterstützt wurde, und nun zeigen muss, ob sie die Geschicke zum Besseren wenden kann. In jedem Fall eine neue Chance. Denn der Insel täte Erneuerung in vielen wichtigen Positionen sehr gut. In der Politik und entscheidenden Positionen wie den Tourismusservices.

Goldie vermisst
Aus dem Nichts teleportierte der Goldschakal sich durch die norddeutsche Tiefebene nach Sylt, ohne ein einziges Lämmchen zu reißen. Sobald er eine Pfote auf die Insel setzte, erledigte er dann allerdings in der ersten Nacht eine ganze Schafherde. Kein Wunder also, dass ungeachtet der wankelmütigen Haltung der politischen Entscheidungsträger und der Klagen orientierungsloser Umweltschutzverbände aus NRW und vom Mond kurze Zeit später eine Vermisstenmeldung auftauchte: Goldie spurlos verschwunden.

Rentnertempo
Immerhin wurde mit dem Bau der Skatebahn begonnen. Ein Wunder, dass die Rentner und Leistungsverweigerer in der Gemeindevertretung so ein Projekt überhaupt mittragen. Weniger verwunderlich hingegen, dass die Gemeinde Sylt und Westerland zu Weihnachten aussehen wie ein abgehängtes Provinznest im Zonenrandgebiet und auch die von der Poloqueen Kiki Schneider vorgeschlagene Eiswelt am Ende nicht die Unterstützung aus der Politik und vom Tourismusservice erhalten hat.

Keitum ist das neue Kampen
Und dann war da noch der Keitumer Erweckungsmoment: Der neue Fashion-Zar der Insel, Alex Wirth, brachte die Keitumer unter dem Motto »WiR KEiTUM« zusammen und verzauberte Keitum mit einer Wunderwoche. Jeden Tag ein neues Highlight, Modenschau, lukullische Erleuchtungen. Das war Sylt in Reinform, das war Sylt, wie es sich früher noch viel stärker anfühlte.
Spätestens nach dieser Woche wurde jedem klar, dass sich ein Wandel vollzogen hat und Keitum das neue Kampen ist. Der Ort betört mit der gewachsenen Schönheit eines alten Kapitänsdorfes und hat sich in Sachen Gastro und Einzelhandel an die Spitze der Republik gebeamt.

Rückwärts nimmer, vorwärts immer!
Sylt oder Sansibar – Hauptsache Urlaub!

Die Redaktion weist darauf hin, dass es eine 
Leser-Kolumne (Satire) ist und der Inhalt 
die Ansicht des Einsenders wiedergibt.