Wir schließen!

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»Wir schließen«. »Wie gehen«. »Wir hören auf«. »Sale”. «Super Sale”. »Closing«. Solche Schilder sieht man immer mehr mit einem Verwundern: Die auch? Hier schon wieder einer weg. Ich habe das die letzten Monate beobachtet, die Gerüchte gehört. Die Gründe sind ähnlich, wenn auch unterschiedlich verpackt. Man spürt die Erschöpfung dahinter, ein enttäuschtes Achselzucken. Vieles versucht, und doch gescheitert. Nun fügen wir uns auch in diesen Reigen ein: Roma e Toska im Kapitänshaus endet nach zehn Jahren. Ein Paukenschlag, den ich vor wenigen Tagen in meinem Blog verkündete, geschrieben in meinem Tagebuch aus Peru, wo ich derzeit auf Einladung des Ministeriums für Foreign Affairs reise, um mich inspirieren zu lassen von einer fremden Kultur für eine zukünftige Kollektion. Die Gleichzeitigkeiten im Leben. Die Besitzverhältnisse haben sich geändert, der Vertrag nicht verlängert. Das ist die eine Seite. Die andere ist eine Ökonomische. Wir Designer*innen und Boutique-Besitzer*innen hungern nach Wertschätzung, nur satt werden wir davon nicht. In einer meiner Kolumnen schrieb ich »Mal ablästern«, über die Besucher, die durch meine Räume wandern, die Atmosphäre inhalieren, um sich dann zu verabschieden mit den Worten: Sie müssen bleiben, halten sie durch, so ein Geschäft wie das Ihre gibt es kaum mehr. Und dann gehen sie und haben nichts gekauft. Oder sie überlegen, ob sich das Investment T-Shirt nicht auf das nächste Jahr vertagen ließe. Nein! Tut es nicht. Bei allen intellektuellen und kulturellen Ambitionen, Salon-Abenden und Talkrunden braucht es den Umsatz. Roma e Toska ist kein Museum, hat keine Mäzene im Hintergrund, keinen Großgrundbesitz oder gar Schlösser, wie man meinen könnte. Es besteht aus harter Arbeit, einer Vision und der dazugehörigen Kreativität. Das ist die Faszination, warum ich Mode mache. Ich erzähle Geschichten, die gehört, gekauft und getragen werden wollen, in dieser wichtigen Addition! Wenn auch nur ein Element fehlt, dann funktioniert es nicht mehr!
Natürlich umgibt mich Wehmut, wenn ich diese Zeilen hier in meiner so geliebten kleinen Kolumne schreibe. Aber umgekehrt locken mich die neuen Freiräume. In diesen letzten Tagen in Kampen dürfen die Dinge wandern, die den Flair des Geschäftes ausmachten: der schwedische Eckschrank aus dem späten 18. Jahrhundert, der so wunderbar in diese alten Friesenhäuser passt, die Charles Eames Stühle von Vitra, Keramik aus dem Bauhaus-Umfeld, selbst der Strandkorb vor dem Haus. All diese (Sammler-)Objekte haben mich und uns begleitet in unserem »Wohnzimmer«, wie die Freunde es nannten. Nun dürfen sie andere Liebhaber finden.
Ich freue mich auf Sie und Euch, auf Plaudereien, die Vergangenes berühren und Zukünftiges beschreiben. Wie die Menschen hier in Peru mir beibringen: Es gibt keinen Abschied, alles befindet sich in einem Kreislauf.
Birgit Gräfin Tyszkiewicz