EINE ODE AN DAS HAUS
Eine Ode ist ein Gedicht, ein Gesang auf jemanden oder etwas, preisend und hymnisch. In meiner vorerst letzten Kolumne an dieser Stelle widme ich sie „unserem“ Kapitänshaus in Kampen, das über 10 Jahre lang Flagshipstore von Roma e Toska und gleichzeitig Zuhause war. Wir Menschen haben die Eigenart zu denken, wenn wir nicht da sind, existiert etwas nicht, weder davor noch danach, es wäre nur sichtbar mit uns, aber das stimmt nicht. Wir sind nur eine Episode.
Als das Haus 1689 errichtet wurde, feierte man in England die „Glorious Revolution“ mit der „Declaration of Rights“, die dem Parlament die Macht gab. Peter der Große regierte in Russland, Frankreich verwüstete das Rheinland, und hier oben im Norden bekam Herzog Christian Albrecht seine dänischen Ländereien wieder zurück. Stürme gingen über die Insel und schufen die berühmte Silhouette von Sylt. In dem Haus lebten Kapitäne und ihre Familien, gab es vorne den Bäcker Speck, hinten war es Pension, die Räume teilten sich neu, aber das Dach ruhte beständig auf seinen hölzernen Ständern, bis heute.
Es ist ein gutes Haus, man kann es spüren, einer dieser Orte, für die man keinen Schlüssel braucht, die um sich herum einen Schutz besitzen sowie eine Tür, die für jeden geöffnet ist. Wie oft kam ich morgens die Treppe runter und sah, dass nicht abgeschlossen war. Bonnie, unser Hund, lag auf ihrem Sofa und blinzelte, als würde sie sagen: Alles o.k., ich passe auf. Während Samy, unser Neufundländer-Mix, oben neben unserem Bett tief und fest schnarchte. Als ich im Frühjahr 2015 ankam, hatte ich zwei Koffer mit Ware und ein paar Möbel. Wie groß mir alles schien. Dann folgten ständig weitere Dinge und füllten die Räume: Keramiken, Bilder, Vintage Fashion, Schmuck, Taschen. Mein Mann schuf eine kleine friesische Garten-Oase. Events wurden veranstaltet, andere Designer*innen eingeladen. Das Haus dehnte sich aus und schrumpfte wieder zusammen. Jeder fühlte sich wohl. Jene, die diese besondere Atmosphäre nicht fühlen konnten, huschten schnell wieder raus oder traten gar nicht erst über die Schwelle. Aber manch einer, der sich traute, war überrascht, was Handwerk, Kreativität und Visionen ausmachen.
Nun gehen wir, aber die Geschichte des Kapitänshauses ist damit nicht zu Ende erzählt. Ich weiß nicht, wer nach uns kommen wird, ob es Menschen sind, die das Alte bewahren und mit Neuem beleben. Keine Ahnung!? Ich bin auf jeden Fall diese Tage dort und freue mich auf jeden, der vorbeikommt. Es gibt eine kleine Kollektion mit den Delfter Kachel, am Anfang und am Ende meine Hommage oder besser meine seidene Ode an das Kapitänshaus.
Birgit Gräfin Tyszkiewicz


