Mit Strahlkraft

Holger Bodendorf über das
Island Food Festival (IFF)
und die Entwicklung in
der Sylter Gastronomie

Das friesische November-Grau einfach mal mit einem spektakulären Kulinarik-Feuerwerk zu erleuchten, ist ein super Plan. Einer, der zudem aufgeht. Das Prinzip des »Island Food Festivals« (IFF) ist so einfach wie überzeugend: Exzellente Sylter Gastgeber begrüßen in ihren Küchen hoch angesehene Kollegen von überall her. Zu jedem Gastkoch gesellt sich ein befreundeter Winzer. Menschliche Chemie ist wichtig. Exzellenz, Originalität und höchste Qualitätsansprüche ebenso. Gemeinsam zelebriert man zur Freude der Gäste kleine Wunder am Herd. Holger Bodendorf hat das Konzept unter seiner Regie schon 2019 in kleinem Rahmen umgesetzt. Das »Island Food Festival« wuchs stetig: Vom 12. bis 16. November sorgen erstmals sechs Sylter Gastgeber mit ihren Kollegen aus aller Welt für internationale Strahlkraft. www. island-food-festival.de

Holger Bodendorf

Herr Bodendorf, vor allem Schweizer, Österreicher und unsere dänischen Nachbarn fanden Sylt bislang als Reiseziel interessant. Haben Sie es auch so erlebt, dass man auf der Insel diesen Sommer viel mehr Englisch hörte?
Auf jeden Fall. Der Eindruck bestätigte sich in diesem Sommer bei uns im Haus, aber auch bei den Buchungen für das »Island Food Festival«: Einige Gäste werden aus den USA und Kanada anreisen, um hier fünf Tage auf dem höchsten Niveau zu genießen. Wir haben einen wunderbaren Anlass kreiert, um Sylt zu einer ungewöhnlichen Zeit für Gäste aus aller Welt spannend zu machen.

Wenn man noch nie etwas vom »Island Food Festival« gehört hat: Was erwartet den Gast?
Wir sind inzwischen sechs Sylter Gastgeber. Das »Severin*s2, der »Söl’ring Hof« mit Jan-Philipp Berner, das »Samoa Seepferdchen« ist wieder mit von der Partie, Jörg Müller darf natürlich überhaupt gar nicht fehlen, wir als »Landhaus Stricker« sind dabei. Erstmals mit von der Partie: Thomas Samson vom Kampener »Dorfkrug«. Alle Gastgeber bekommen Besuch von grandiosen Kollegen wie z.B. im »Söl’ring Hof« Tobias Bätz aus dem »Aura by Alexander Herrmann & Tobias Bätz«. Oder bei Jörg Müller ist Nikos Billis zu Gast, ein griechischer Sternekoch mit einer noblen Interpretation traditioneller Gerichte. Die geladenen Winzer begleiten die Events mit ihrer Expertise und ihren Weinen. Jeder Abend, jedes Festival-Ereignis ist einzigartig. Es gibt zudem eine gemeinsame Ouvertüre und ein gemeinsames Finale aller Gastgeber. Oder so könnte man es auch sagen: Wir zelebrieren mit unseren Gästen fünf Tage lang entspannten Genuss, Begegnung und Freundschaft. Ich freue mich immer wie verrückt auf das Ereignis.

Das IFF auf die Beine zu stellen, ist zeitaufwändig ohne Ende. Wie passt das in das ohnehin volle Business eines Sternekochs?
Mir macht das Netzwerken und Organisieren total viel Freude, das geht mir leicht von der Hand. Und wir sind als Sylter IFF-Gastgeber ein komplementäres Team. Jeder bringt seine Qualitäten mit ein, übernimmt wichtige Parts, stellt die Vermarktung für sein Haus auf ein Fundament und bei mir laufen dann noch ein paar
Fäden zusammen. Eine Freude – wir sind jetzt schon dabei das IFF für 2026 zu planen.

Sie kochen seit 42 Jahren professionell. Andere Menschen in unserem Alter sprechen verdächtig häufig von »kürzertreten« oder sogar von „aufhören“. Wie ist das bei Ihnen?
Meine Freude an der Arbeit ist ungebrochen. Bei uns im Restaurant steht Bodendorf drauf und dann ist auch Bodendorf drin. So einfach ist das. Ich liebe meine Arbeit. So sehr sogar, dass ich gerade den Vertrag fürs »Landhaus Stricker« verlängert habe.

Abschließend noch drei Fragen zur Sylter Gastronomie im großen Ganzen: Welche Wahrnehmung dominiert, wenn Sie auf unsere aktuelle kulinarische Landkarte schauen?
Ich weiß gar nicht genau, von wie vielen Betrieben wir aktuell sprechen. Auf jeden Fall sind es über 200 und ich bin begeistert von der Entwicklung. Junge Kollegen mit wirklich einzigartigen Konzepten haben sich getraut, ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist eine große Bereicherung. Ich spreche von gastronomischen Kleinoden wie dem »Käseklub« in Keitum, dem »Café Klapprad« auf dem Wenningstedter Campingplatz oder der »Goldenen Möwe« an der Westerländer Promenade. Ich habe auch ganz viel Respekt davor, wie Traditionshäuser wie das »Seenot« frisch in die Zukunft geführt werden oder wie Jan Nissen-Hünding im »Samoa« wirkt und wirbelt. Exzellente, zukunftsweisende Gastlichkeit mit jeweils einzigartiger Note – das tut Sylt gut.

Bemerken Sie eine Veränderung im Gästeverhalten?
Bei uns ist es so, dass wir im Gourmet-Restaurant in diesem Sommer zum ersten Mal seit Jahren wieder mit Wartelisten arbeiten mussten. Ich glaube, Gäste möchten einfach ein unverwechselbares Genuss-Erlebnis. Ganz gleich, ob in einer Sterneküche oder eben in einer urigen, jungen Location. Das Besondere zählt.

Gibt es in Ihren Augen noch unbesetzte Gastro-Nischen auf Sylt?
Wir haben kein ausgewiesenes veganes oder vegetarisches Konzept. Neu und modern interpretierte türkische oder indische Küche könnten zum Beispiel auf Sylt sicher auch großartig funktionieren.

Zur Person: Holger Bodendorf
Sein erstes Mal war im Jahr 2000. Da erkochte Holger Bodendorf für das »Veneto« im Wenningstedter Hotel »Windrose« einen Michelin-Stern. Ein Jahr später übernahm er das »Landhaus Stricker« in Tinnum und sorgt seitdem dort auf allen Ebenen für eine wunderbare Entwicklung. Bodendorf ist zudem »Regisseur« und Drahtzieher vom »Island Food Festival«. Auch engagiert er sich mit Freude in der Kooperation der „Privathotels Sylt«. Holger Bodendorf stammt aus Heiligenhafen, sammelte als junger Koch 1989 bereits im »Landhaus Stricker« erste berufliche Erfahrungen. Es folgten etliche Großstadt-Experiences in Spitzenküchen, bevor es ihn 1992 zurückzog auf die Insel. Seine 25. Auszeichnung als Sternekoch in diesem Jahr ist eine himmlische Bestätigung für eine individuelle und anspruchsvolle Küchenkultur konkretisieren.