Roma e Toska

MAL ABLÄSTERN

Was für ein Sommer! All die Events im Garten oder eng gedrängt in der guten Stube im Kapitänshaus, wenn es draußen zu sehr stürmte. Kunstgespräche, Mutter-Tochter-Erklärungen zu Hannah Arendt oder Machiavelli, Katrin Sachse (BUNTE) erzählte, Meerglanz Schmuck, Flying Warehouse, Christiane Gräfin zu Rantzau und Frederik Schwarz über das Auktionshaus Christie’s, Büchervorstellungen. Mann-o-Mann, dafür, dass ich es eigentlich ruhig angehen wollte, wurde es doch eine Menge. Es hat mich erfüllt und mir gezeigt, wie Mode einzubetten ist, in Kultur, in Stil, in eine Haltung dem Leben und der Gesellschaft gegenüber.

Mit diesem Selbstbewusstsein puzzele ich vor mich hin. Kund*innen kommen herein, schauen sich um, was es alles zu sehen gibt: eigene Kollektionen, Vintage und Secondhand, Schmuck und Kunst, Sonnenbrillen, Taschen von Hermès, Chanel, Louis Vuitton…. Dafür muss man ein wenig entschleunigen und den Ehemann kurz im Strandkorb sitzen lassen. Freundinnen und Bekannte stoppen auf einen Plausch, probieren, kaufen, geben in Auftrag, denn wir bieten auch auf Maß geschneidert an. So ist ein ganz eigener »Biotop« entstanden, aus dem sich ständig Neues entwickelt.
Aber ich wollte ja »ablästern« über diese Menschen, die nichts sehen, die nichts verstehen, die ungefragt sich breitmachen mit ihren dicken Rucksäcken, als würden sie die Alpen überqueren. Sie stampfen rein und machen Fotos (ungefragt), sie verstreuen ihre Verschwörungstheorien (ungebeten), wissen es besser. Die Punkte auf dem Leoparden-Muster von Ardmore aus Südafrika wären falsch. Aha? Roma e Toska kaufen sie am liebsten in Rom. (Oh, das wusste ich nicht.) Schamlos witzeln sie über das, was mir wertvoll ist. Fassen alles an, prüfen die Verarbeitung. Sie würden auch so gern nähen. Hmmh?! Wenn etwas nicht passt, dann ist es verschnitten und keineswegs die eigene Speckfalte am Bauch. Sie kennen auch jemanden, der »pinselt«. Wie »süß« und wie »niedlich« (wir reden über Yves Saint Laurent Couture). Die Muschelskulptur könnte gewiss als Adventskranz funktionieren. »Ideen muss man haben.« – »Hauptsache, es fällt einem etwas ein« sind gängige Klugscheißer-Sprüche. Dann verabschieden sie sich geschwind. Sie wären gerade erst angekommen. Wollen noch einen Kaffee trinken. Mein Mund geht auf, mein Mund geht zu, man könnte es »sprachlos« nennen. Ich erinnere an ein »Sylter Lebensgefühl«, in dem sich Luxus und Kreativität mischten, mal mit mehr Party, mal mit mehr Intellekt, aber immer einzigartig und freigeistig. We are Sylt! Das verpflichtet. Wozu? Es wäre eine wunderschöne Diskussion, die den Abend füllen könnte.
Birgit Gräfin Tyszkiewicz