Kampen – ein »global« Dorf
Gerne mixe ich etwas ungehörig das Englische mit dem Deutschen. Mein wöchentlicher Salon in der Poolstraße in Hamburg heißt »It’s a Dienstag«, eingeladen sind Menschen, die etwas Besonderes tun, eine Passion besitzen, für etwas einstehen: Literaten, Schauspieler, Politikwissenschaftler, Filmemacher, Männer wie Frauen sind als meine Talkgäste gleich häufig vertreten. Ähnliches veranstalte ich im Sommer in meinem Geschäft in Kampen. Schon bin ich bei dem englisch ausgesprochenen »global« Dorf angelangt, in dem sich zwar nicht viele Ausländer tummeln, aber doch eine erstaunliche Menge an Urlaubern, die global denken und leben. Vielleicht ist das ein Charakteristikum von Inseln, auf denen über Jahrhunderte Seefahrer lebten, die in die Welt hinauszogen, auf Walfang, auf Handlungsreisen in ferne Regionen, von wo sie ihre materiellen und geistigen Schätze wieder zurückbrachten. Es gefällt mir, und allzu gern scharre ich dieses weltumspannende Gedankengut um mich herum.
Meine Veranstaltungen besitzen oft einen intellektuellen Akzent und nehmen damit eine eigenständige Position ein in dem sonstigen Champagner-Shopping-Trubel. Keineswegs ein Entweder-Oder, beides gehört zu Kampen. Im Kapitänshaus folgten aufeinander: der Abend über die Philosophin Hannah Arendt mit ihrem Begriff von zivilem Ungehorsam, dann das Flying Warehouse mit vier Designerinnen aus Hamburg. Diese Woche ist Katrin Sachse, stellvertretende Chefredakteurin der BUNTEN, zu Gast. Wir diskutieren über die Leichtigkeit in düsteren Zeiten. Dazwischen zeige ich die Sonnenbrillen von vier Masterclass Studenten der Royal Academy of Fine Arts Antwerp, gefertigt von dem Luxus-Design-Label Komono. Was für ein Spaß, ein künstlerisches Statement mitten im Gesicht.
Am Dienstag, den 19. August, 18 Uhr, schließt sich meine Tochter Roma an mit einer Fortsetzung von »Töchtern erklären Müttern die Welt«. Es geht um den Gehorsam bei Machiavelli. Dazu gibt Fingerfood und Antipasti à la Roma (Eintritt € 30). Mein alle-Jahre-wieder Gast ist Katrin Ollech mit ihrem Echtschmuck-Label Meerglanz. Opening am 20. August, 18 Uhr mit Drinks und kleinen Snacks. Die Verkaufsausstellung geht bis zum 24. August.
Und sonst? Ich spaziere am Strand und mache Fotos, wandere im Seidenrock über die blühende Braderuper Heide und denke über das Leben nach, über seine Endlichkeit und wie wir dem Alltag eine Sinnhaftigkeit abringen. Alles geht zusammen, innen und außen, Herz und Seele, eingehüllt in fließende Stoffe und Mustern, die Geschichten erzählen. Das ist Roma e Toska und ein Teil von mir. PS: Ich freue mich auf Sie und Euch zum »global« Dorffest am 15. und 16. August, stoßen wir gemeinsam an auf die Kreativität, auf Mode und Kunst sowie den Sylter Sommer.
Birgit Gräfin Tyszkiewicz


