Roma e Toska

What’s another year

Heute ist mein Geburtstag. Wenn diese Kolumne erscheint, dann war er gestern. Vorvorgestern der Geburtstag meiner Tochter Toska und übermorgen der von Freundin Karen. Jeder kennt bestimmt jemanden, der auch gerade seinen Ehrentag feiert oder plant. Mitten im Sommer sind es die Krebsgeborenen, mondgesteuert im Rhythmus von Ebbe und Flut.

Ein paar Blumen von meinem Mann stehen auf dem Schreibtisch, das Fenster ist geöffnet raus in einen typischen Sylter-Mix von Sonne, Wolken und Regen. Nachdenklich lasse ich das Jahr Revue passieren. »Mann-o-Mann«, würde man hier im Norden sagen, da war wirklich was los. Auf der Weltbühne ging es erdrutschartig bergab. Die Lichtblicke dazwischen muss man mikroskopisch suchen. Aber es gibt sie. Anlass zum Nachdenken.
Privat war auch eine Menge los, die Dinge verändern sich, empfindsamer will das Miteinander sein, nicht mehr getrieben von höher, weiter, schneller. Ich riskiere mehr, indem ich mehr von mir zeige, deutlicher zum Ausdruck bringe, was mich bewegt und mir wichtig ist. Ein neuer Ernst mischt sich zwischen das Lachen und damit auch eine neue Ehrlichkeit. Das erfordert Mut, finde ich, es irritiert und man verliert darüber Menschen aus seinem Umfeld. Jedoch (!), und dass ist das Tolle, man gewinnt andere hinzu. Was für eine Bereicherung. Nach Außen mag sich nicht viel verändern, aber nach innen ist eine kleine Revolution im Gange. Herrlich fühlt sich das an. Verschwunden sind die schusseligen Glückwünsche von: »bleib-so-wie-du-bist«! Nein, will ich nicht, ich verändere mich, ständig. Und das fühlt sich jung und überschwänglich an. Wer weiß, wohin die Reise hinführen wird mit der »Leichtigkeit in düsteren Zeiten«, wie die Freundin Katrin Sachse (BUNTE) und ich gerade unseren Talk am 12. August hier im Kapitänshaus betitelt haben.
Am Wochenende kommen meine Töchter Roma und Toska, die soeben ihren Geburtstag in Paris feierte. Sie ist Künstlerin. Auch für sie waren es turbulente Monate, gefüllt mit unglaublichen Veränderungen. Ihre erste Ausstellung in Berlin geht am 9. Juli mit einer Finissage zu Ende und reist weiter auf die Insel. Ich lade Euch herzlich ein zur Vernissage am Dienstag, den 15. Juli, 15-18 Uhr, direkt vorm White Dinner am Strand.
Ich freue mich auf Euch im Galerie-Kapitänshaus, in dem die Kunst einen festen Platz besitzt zwischen der Mode. Damit wird das Geschäft zu einem gefühlten Zuhause, deren Türen weit offenstehen.

Birgit Gräfin Tyszkiewicz