»Sylta, die Walfängerwitwe, die weint. The Whaling Widow who wails«

Künstlerin Heather Sheehan, Museumsleiter Alexander Römer und Galeristin Kamp stellten die neue Sonderausstellung vor.

Sonderausstellung im Sylt Museum ab 8. Februar

Keitum. …lautet der Titel der neuen Sonderausstellung im Sylt Museum. Mit der Figur »Sylta« schafft die US-amerikanische Fotokünstlerin Heather Sheehan eine fiktive Geschichte rund um die schwangere Ehefrau eines Sylter Walfängers, der auf See ums Leben kommt und damit das Schicksal seiner Frau Sylta beeinflusst. Die Sequenz von 40 Schwarz-Weiß-Selbstporträts beschreibt zugleich den tragischen Weg, den Sylta durchlebt, und die intensive Auseinandersetzung der Künstlerin mit der Protagonistin.
»Das Kunstprojekt setzt sich mit einem Schicksal auseinander, wie es sich wirklich zugetragen haben könnte, und projiziert es in die heutige Zeit«, erklärt Heather Sheehan, die durch die Sylterin Galeristin Cornelia Kamp in Kontakt mit Alexander Römer kam. In einem längeren Schaffensprozess entwickele sie die Geschichte »Syltas«, entwarf das selbstgenähte Kostüm sowie weitere Requisiten und zog sich letztlich in das Altfriesische Haus seit 1640 zurück, um dort die direkte Konfrontation mit »Sylta« zu suchen. Per analoger Schwarz-Weiß-Fotografie und Selbstauslöser fertigte sie die Fotoreihe, die auch für sie eine Überraschung war, da die Künstlerin die Bilder erst nach der Entwicklung im Labor sah. »Das Haus hat mich etwas spüren lassen, mir etwas von dem Leben einer Frau erzählt«, erklärt sie den Hintergrund. »Dabei fand eine spannende Verwebung von Künstlerin und der fiktiven Person statt, die immer mehr eins wurden«, ergänzt Museumsleiter Alexander Römer. Es entstand ein Wahrnehmen der Gegenwart, die in eine Zeit vor über 200 Jahren transformiert wurde.
Darüber hinaus verfasste Sheehan die Kurzgeschichte »Ich bin Sylta begegnet«, in der die ambivalente Beziehung der beiden Frauen deutlich wird. Die Erzählung beschreibt den Schaffens-, Werdungs- und Laufprozess der fiktiven Person. Die Existenz von »Sylta« sowie die Perspektive der Künstlerin, die die Figur schuf und sie in einen Kontext einbettet, wird äußerst anschaulich skizziert. Ausschnitte davon sind an den einzelnen Selbstporträts zu finden. »Damit werden die Besucher*innen in die Geschichte geführt, können ein persönliches Verhältnis zu der Figur aufbauen und sie besser verstehen«, führt Alexander Römer aus. Sheehan beschreibt die Situation aus ihrem konkreten Alltagsmoment heraus. Entscheidend tragen die Einflüsse dazu bei, mit denen sie während ihrer Arbeit konfrontiert wurde. Sie demonstrieren die Besonderheit und Verbindung der zwei Frauen sowie das Schicksal von »Sylta«.
Ein zweisprachiger Fotokunstband, der im Museumsshop oder im Buchhandel erhältlich ist, ergänzt die Ausstellung und beinhaltet alle 40 Aufnahmen sowie die dazugehörige Erzählung. Die Ausstellung wird am Mittwoch, den 7. Februar, um 19 Uhr, im Sylt Museum eröffnet und ist vom 8. Februar bis zum 24. März zu den Winteröffnungszeiten (Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 15 Uhr) und vom 25. März bis zum 28. April täglich von 10 bis 17 Uhr (Sonnabend, Sonn- und Feiertage von 11 bis 17 Uhr) zu sehen.
Rahmenprogramm: Heather Sheehan liest am 8. und 12. Februar, 28. März, 4. und 25. April jeweils um 15 Uhr im Sylt Museum aus ihrem Buch und führt durch die Ausstellung. Die Veranstaltung kostet Museumseintritt zuzüglich zwei Euro Gebühr.


Neben den 40 Schwarz-Weiß-Selbstporträts werden auch Teile des Schaffensprozesses gezeigt.